Vorweihnachtszeit, Traditionen und Feiertage im Überblick
Weihnachten in Spanien fühlt sich jedes Jahr ein bisschen so an, als würde das ganze Land gleichzeitig aufleuchten. Nicht nur, weil ab Ende November die Städte in ein Meer aus Lichtern getaucht werden, sondern auch, weil die vielen regionalen Traditionen, religiösen Feste und familiären Rituale eine einzigartige Atmosphäre schaffen. Wer die spanische Weihnachtszeit erlebt, merkt schnell: Sie beginnt früher, endet später – und hat ihren ganz eigenen Zauber.
Der Beginn der Weihnachtszeit: Lichter, Krippen und Vorfreude
Weihnachtsbeleuchtung in Spanien
Sobald es dunkel wird, verwandeln sich die Straßen in ein winterliches Lichtermeer. Viele Städte konkurrieren regelrecht miteinander, wer die spektakulärste Beleuchtung hat. Madrid erstrahlt mit riesigen Installationen, Sevilla mit warmen, traditionellen Motiven und Málaga ist seit Jahren berühmt für seine beeindruckende Lichtshow in der Calle Larios, die täglich Tausende Besucher anzieht. Auch kleinere Orte geben sich Mühe: Rundbögen, Kränze, Sterne und funkelnde Bäume lassen selbst mildes Dezemberwetter ein bisschen winterlicher wirken.
Das feierliche Einschalten der Weihnachtsbeleuchtung, meist in den letzten Novembertagen, gilt vielerorts als offizieller Startschuss der Weihnachtszeit und wird oft mit Musik, Veranstaltungen und viel Publikum begleitet.
Ergänzt wird die Beleuchtung fast immer durch große Weihnachtsbäume auf zentralen Plätzen. Obwohl der Weihnachtsbaum heute aus dem spanischen Straßenbild nicht mehr wegzudenken ist, handelt es sich dabei um eine vergleichsweise moderne Tradition. Über viele Jahrzehnte stand die Weihnachtskrippe im Mittelpunkt der spanischen Weihnachtstradition – und hat bis heute in den meisten Haushalten einen besonderen Stellenwert.
Belén – die Weihnachtskrippe
Die Krippenlandschaften, die Belenes, finden sich sowohl in privaten Haushalten als auch in Kirchen und auf öffentlichen Plätzen. Sie reichen von schlichten Aufbauten bis zu aufwendigen Miniaturwelten mit Bergen, Flüssen, Beleuchtung und beweglichen Figuren. In vielen Städten gibt es sogar Wettbewerbe um die schönsten Belenes.
Der Caganer – eine ungewöhnliche Figur in der Krippe
Besonders in Katalonien gehört zur Krippe eine Figur, die viele zunächst irritiert: der Caganer. Er zeigt eine hockende Person mit heruntergelassener Hose, die ihre Notdurft verrichtet. Vor allem Kinder haben großen Spaß daran, die zumeist versteckt platzierte Figur zu suchen. So kurios das wirkt, so positiv ist seine Bedeutung: Der Caganer steht für Fruchtbarkeit, Glück und eine gute Ernte im kommenden Jahr.
Typische Vorweihnachtstraditionen im Dezember
Kulinarische Klassiker zur Weihnachtszeit
In spanischen Familien gehören bestimmte Süßigkeiten und Spezialitäten einfach zur Adventszeit dazu. Turrón aus Jijona oder Alicante, Polvorones, Mantecados und Marzipanfiguren stehen oft schon Wochen vor Weihnachten auf dem Tisch.
Typisch für die spanische Weihnachtszeit ist außerdem, dass viele Familien über die gesamten Feiertage hinweg ein ganzes Jamón-Ibérico-Schinkenbein zu Hause haben, von dem immer wieder dünne Scheiben abgeschnitten werden – als Teil der Vorspeisen oder auch als Snack zwischendurch.
Cena de empresa und Cesta de Navidad – Weihnachten am Arbeitsplatz
Zur Vorweihnachtszeit gehören in Spanien auch die Cenas de empresa. Dabei lädt das Unternehmen seine Mitarbeiter im Dezember zu einem gemeinsamen Abendessen ein – oft in einem Restaurant, manchmal mit anschließender Feier. Diese Abende haben einen hohen Stellenwert und sind deutlich lockerer und geselliger als man es vielleicht aus Deutschland kennt.
Viele Unternehmen überreichen ihren Mitarbeitern zusätzlich eine Cesta de Navidad – einen festlichen Geschenkkorb mit typischen Weihnachtsprodukten wie Weihnachtssüßigkeiten, Wurstwaren und Wein beziehungsweise Sekt zu verschenken. Für viele Spanier ist diese Geste ein fester und geschätzter Bestandteil der Weihnachtszeit.
06. + 08. Dezember – Der Puente de Diciembre
Zwischen dem 6. und 8. Dezember beginnt die festliche Phase richtig. In ganz Spanien wird der Puente de Diciembre gefeiert, eine verlängerte Feiertagswoche, die durch zwei nationale Feiertage geprägt ist: Am 6. Dezember erinnert die Día de la Constitución an die spanische Verfassung von 1978. Am 8. Dezember wird der Día de la Inmaculada Concepción, der Tag der Unbefleckten Empfängnis, gefeiert. Da diese Feiertage oft nahe am Wochenende liegen, nutzen viele Spanier die Zeit für Kurztrips, Weihnachts-Shopping oder einfach als Startschuss in eine gemütliche Vorweihnachtszeit.
22. Dezember – Die Weihnachtslotterie „El Gordo“
Noch bevor die eigentlichen Feiertage beginnen, fiebert ganz Spanien am 22. Dezember der Ziehung der berühmten Weihnachtslotterie El Gordo entgegen. Sie gilt als die größte Lotterie der Welt und ist seit 1812 fest in der spanischen Weihnachtstradition verankert. Die Ziehung, bei der Kinder der Schule San Ildefonso die Gewinnzahlen singend vortragen, läuft stundenlang live im Fernsehen – und das ganze Land schaut zu.
Die Weihnachtstage in Spanien
24. Dezember – Nochebuena (Heiligabend)
Der 24. Dezember gilt für viele Spanier als der wichtigste Abend der gesamten Weihnachtszeit. An der Nochebuena kommt die Familie zusammen, oft generationsübergreifend, und verbringt viele Stunden gemeinsam. Die Cena de Nochebuena beginnt meist erst spät, häufig zwischen 21:00 und 22:30 Uhr.
Das festliche Abendessen variiert je nach Region: Fisch und Meeresfrüchte, Lamm oder Spanferkel, dazu Wein und typische Weihnachtsdesserts gehören oft dazu. In vielen Orten besuchen Familien nach dem Essen die Mitternachtsmesse, die Misa del Gallo, die traditionell um Mitternacht beginnt.
25. Dezember: Navidad (Weihnachtstag)
Der Weihnachtstag verläuft deutlich ruhiger. Am 25. Dezember trifft man sich erneut im Familienkreis zum Mittagessen, das typischerweise zwischen 14:00 und 16:00 Uhr beginnt. Die Atmosphäre ist entspannt, gemütlich und weniger feierlich als am Vorabend.
Immer häufiger wachen Kinder an diesem Morgen zu ersten Geschenken von Papá Noel auf – ein Brauch, der vor allem durch internationale Einflüsse an Bedeutung gewonnen hat. In vielen spanischen Haushalten bleibt die Hauptbescherung jedoch weiterhin dem 6. Januar, dem Tag der Heiligen Drei Könige, vorbehalten.
Einen zweiten Weihnachtstag wie in Deutschland gibt es in Spanien nicht – der 26. Dezember ist kein landesweiter Feiertag und für viele ein normaler Arbeitstag.
Zwischen den Jahren: Humor und Silvestertraditionen
28. Dezember – Der spanische „1. April“
Der Día de los Santos Inocentes ist für viele Auswanderer überraschend: Er entspricht dem 1. April. Zeitungen, Fernsehsender und Privatpersonen erlauben sich an diesem Tag Scherze, sogenannte inocentadas. Selbst große Medien verbreiten bewusst falsche Meldungen – und ganz Spanien macht mit.
31. Dezember – Silvester mit Trauben und Cotillón
Silvester ist eine Mischung aus Familie und Feierlaune. Bis Mitternacht bleibt man traditionell im Familienkreis. Auf den Tisch kommen festliche Speisen, Gläser stehen bereit – und natürlich die berühmten Trauben. Punkt 00:00 Uhr werden zu jedem Glockenschlag eine der 12 Glückstrauben gegessen – wer alle rechtzeitig schafft, soll ein glückliches neues Jahr haben.
Danach wird angestoßen, gefeiert und vor allem die jüngere Generation zieht mit Freunden weiter zu Partys oder in Clubs, oft mit bunten Cotillón-Tüten voller Hüte, Tröten und Konfetti.
Der krönende Abschluss: Die Heiligen Drei Könige
5. Januar – Cabalgata de Reyes
Am Vorabend des wichtigsten Geschenketages zieht durch fast jede Stadt Spaniens die Cabalgata de Reyes, eine prächtige Parade zu Ehren der Heiligen Drei Könige. Festwagen, Musik, Tänzer und kostümierte Gruppen verteilen Süßigkeiten an die Kinder.
Besonders bekannt sind die Umzüge in Madrid, Alcoi (der älteste Spaniens) und Sevilla, doch auch in kleineren Dörfern ist die Cabalgata ein echtes Highlight.
6. Januar – Reyes Magos und Geschenke
Erst am 6. Januar kommt der eigentliche „Bescherungstag“. Die Heiligen Drei Könige, die Reyes Magos Melchor, Gaspar und Baltasar bringen die Geschenke. Für viele spanische Familien ist dieser Tag emotional viel bedeutender als der 24. oder 25. Dezember.
Zum Frühstück gibt es traditionell den Roscón de Reyes, einen großen Hefekranz mit Sahne oder Trüffelcreme. Wer die kleine Figur darin findet, ist der „König des Tages“. Wer die Bohne erwischt, muss den Roscón im nächsten Jahr bezahlen.
Du suchst noch eine passende Geschenkidee für Weihnachten? Dann schau dir meine 11 Geschenkideen an.










Schreibe einen Kommentar